Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017

Foto: Peter Kuehn
Foto: Peter Kuehn

Berlin/Hilpoltstein – Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Waldkauz (Strix aluco) zum „Vogel des Jahres 2017“ gewählt. Auf den Stieglitz, Vogel des Jahres 2016, folgt damit ein Eulenvogel.  „Stellvertretend für alle Eulenarten haben wir für 2017 den Waldkauz zum Jahresvogel gewählt. Mit ihm wollen wir für den Erhalt alter Bäume mit Höhlen im Wald oder in Parks werben und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohnender Tiere sensibilisieren“, sagte Heinz Kowalski, NABU-Präsidiumsmitglied. „Eulen sind unverzichtbare Bestandteile der Artenvielfalt. Es gilt, sie zu schützen, ihre Bestände zu stabilisieren oder zu vermehren“, sagte Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender.  Der Bestand des Waldkauzes in Deutschland beträgt laut dem Atlas deutscher Brutvogelarten 43.000 bis 75.000 Brutpaare und wird langfristig als stabil eingeschätzt. Der für die Arterhaltung entscheidende Bruterfolg hängt jedoch vor allem von der Qualität des Lebensraums ab. Das Fällen alter Höhlenbäume, eintönige Wälder und ausgeräumte Agrarlandschaften ohne Nahrung sind damit die größten Gefahren für einen gesunden Waldkauzbestand. Waldkäuze sind lautlose Jäger der Nacht. Sie sehen und hören besonders gut, und finden so präzise ihre Beute. Die Bezeichnung „Kauz“ ist eine Besonderheit im deutschen Sprachraum, denn in anderen europäischen Ländern gibt es kein eigenes Wort für Eulen mit rundem Kopf ohne Federohren – sie werden wie andere Eulenarten allgemein als „Eulen“ bezeichnet. Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt: Der Vogel des Jahres 2017 ist keinesfalls nur im Wald zu Hause, obwohl er sich in lichten Laub- und Mischwäldern am wohlsten fühlt. Als ideal gilt ein Lebensraum mit einem Waldanteil von 40 bis 80 Prozent, dazu Lichtungen und angrenzende Felder. Längst ist er daher auch in städtischen Parkanlagen, Gärten oder auf Friedhöfen mit altem Baumbestand und geeigneten Bruthöhlen zuhause. Dabei kommt er uns Menschen recht nah, wenn er auch eher zu hören als zu sehen ist. Tagsüber versteckt er sich in Höhlen oder in dichten Baumkronen. Die Anpassungsfähigkeit bei der Wahl des Lebensraumes trägt dazu bei, dass der Waldkauz die häufigste Eule in Deutschland ist. Der Waldkauz ist gut getarnt mit seinem rindenfarbigen Gefieder. Sein großer Kopf ohne Federohren sitzt auf einem gedrungenen Rumpf. Der beigebraun gefärbte Gesichtsschleier ist dunkel umrahmt. Sein freundliches Aussehen verdankt er seinen großen runden „Knopfaugen“ sowie den zwei hellen Querstrichen oberhalb des Gesichtsrahmens, die auf uns Menschen wie Augenbrauen wirken. Der stark gekrümmte Schnabel ist beim Waldkauz gelblich. Fast immer hören wir die Rufe des Jahresvogels in TV-Krimis, wenn es dunkel und unheimlich wird. Im wahren Leben erklingt das lang gezogene „Huu-huhuhuhuhuu“, wenn Waldkäuze balzen oder ihre Reviere markieren, vor allem im Herbst und im Spätwinter. Fast das ganze Jahr über machen sie außerdem durch ihren Kontaktruf „ku-witt“ auf sich aufmerksam. Die lautlosen Jäger werden mit 40 bis 42 Zentimeter Länge etwa so groß wie Krähen, bringen 400 bis 600 Gramm auf die Waage und erreichen eine Flügelspannweite bis zu 98 Zentimetern. Gleichzeitig zum Waldkauz-Jahr starten NABU und LBV ab 2017 eine neue Aktionsreihe. Der Waldkauz steht dabei als nächtlicher Jäger für alle Tiere der Nacht. Unter dem Namen „NABU- bzw. LBV-NachtnaTOUR“ bieten die Verbände Exkursionen, Vorträge und ähnliche Veranstaltungen zu den Besonderheiten der nächtlichen Tier- und Pflanzenwelt an. Am 20. Mai 2017 wird dazu eine bundesweite „NABU NachtnaTour“ durchgeführt. Von der Dämmerung bis zum frühen Morgen stehen in der Nacht zum Sonntag Waldkauz, Fledermäuse und Co. im Mittelpunkt.

Weitere Infos unter www.Vogel-des-Jahres.de, www.NABU.de/nachtnatour oder www.LBV.de

Botschafter für mehr Farbe und Artenvielfalt

Warum ist der Stieglitz Vogel des Jahres 2016?

NABU und LBV haben den Stieglitz zum „Vogel des Jahres 2016“ gekürt. Mit ihm soll der fortschreitende Strukturverlust in unserer Kulturlandschaft ins Blickfeld gerückt werden. Er ist Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in Agrarräumen und Siedlungsbereichen.

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Stieglitz - Foto: Frank Derer

Stieglitz - Foto: Frank Derer

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Stieglitz (Carduelis carduelis) zum „Vogel des Jahres 2016“ gewählt. Auf den Habicht, Vogel des Jahres 2015, folgt damit ein Singvogel, der zu den farbenfrohesten Vögeln Deutschlands zählt. Der auch Distelfink genannte Stieglitz steht für vielfältige und farbenfrohe Landschaften, denn er ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume. Bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung gibt es jedoch immer weniger, daher ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

„Allein in der Agrarlandschaft sind seit 1994 fast 90 Prozent aller Brachflächen mit ihrer heimischen Artenvielfalt verloren gegangen. Auch Randstreifen mit Blumen und Wildkräutern an Feldern und Wegen werden immer weniger und artenärmer. Im Siedlungsraum verschwinden wildblumenreiche Brachflächen, öffentliches und privates Grün wird zu intensiv gepflegt, Wildkrautvielfalt gar weggespritzt. Für unseren Jahresvogel wird es in Deutschland inzwischen eng“, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Es gebe viele Möglichkeiten, den Lebensraum des farbenfrohen Finken zu erhalten. Schon kleine unbelassene Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen, Ackerflächen oder Straßenrändern, trügen dazu bei.


Wegen seiner Farbenpracht und Sangeskunst war der Stieglitz lange Zeit ein beliebter Käfigvogel - Foto: NABU/Ronald Schulz

Wegen seiner Farbenpracht und Sangeskunst war der Stieglitz lange Zeit ein beliebter Käfigvogel - Foto: NABU/Ronald Schulz

„Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU-Agrarverordnungen und -Förderinstrumente den Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen stoppen. Aber auch in Städten und Gemeinden werden Konzepte benötigt, damit es mehr Wildnis am Straßenrand und auf grünen Flächen gibt“, sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer. Auch private Gärtner können sich für den Erhalt von Lebensräumen des Stieglitzes einsetzen. Das Anlegen von Blühflächen mit heimischen Wildkräutern sowie Obstbäumen und der Verzicht auf Pestizide helfen dem zierlichen Finken.

Der Bestand des Stieglitzes hat in Deutschland laut den Daten des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um 48 Prozent abgenommen. Offizielle Schätzungen gehen derzeit von 305.000 bis 520.000 Brutpaaren in Deutschland aus. Stieglitze leben sowohl auf dem Land als auch in Siedlungen, solange es einen geeigneten Brutplatz und genug Nahrung gibt. Diese findet er an Acker- und Wegrainen, auf Brachen oder in Parks und Gärten. Knapp 60 Prozent des bundesweiten Bestandes leben im Siedlungsraum, die restlichen 40 Prozent in der Agrarlandschaft.
Gleichzeitig mit der Verkündung des „Vogel des Jahres“ starten der NABU und der LBV die Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Möglichst viele Meter wildkrautreicher Grünflächen sollen als neue Lebensräume für den Stieglitz und andere Singvögel geschaffen oder erhalten werden

Der Habicht ist Vogel des Jahres 2015

Der Habicht – ein verfolgter Jäger

Warum der Habicht zum Vogel des Jahres 2015 gekürt wurde

Der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Habicht (Accipter gentilis) zum „Vogel des Jahres 2015“ gewählt. Auf den Grünspecht, Vogel des Jahres 2014, folgt damit ein Greifvogel, der wie viele andere seiner Verwandten immer noch der illegalen Verfolgung ausgesetzt ist, obwohl die Jagd auf den Habicht seit den 1970er Jahren verboten ist.

„Illegal abgeschossene, vergiftete oder gefangene Habichte sind nach wie vor trauriger Alltag. Es gibt immer noch einzelne Jäger, die ihn als Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen und Fasane sehen. Auch bei Geflügel- und Taubenzüchtern ist der Habicht besonders unbeliebt. Jährlich stellen Polizisten und Tierschützer in Deutschland Habichtfangkörbe sicher – viele davon in der Nähe von Taubenhaltungen“, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

Habicht

Nach aktuellen Erfassungen leben in Deutschland 11.500 bis 16.500 Brutpaare. Eine der höchsten Siedlungsdichten von Habichten weltweit hat die Hauptstadt Berlin mit etwa 100 Brutpaaren.


„Illegale Greifvogelverfolgung ist kein Kavaliersdelikt“, so die Verbände. NABU und LBV fordern, dass entsprechende Straftaten systematisch erfasst, aufgeklärt und angemessen geahndet werden. Dafür müssen speziell geschulte Einheiten und Koordinationsstellen bei der Polizei und den Naturschutzbehörden der Länder in allen Bundesländern eingerichtet werden. Als Vorbild ist hier die Stabsstelle zur Bekämpfung von Umweltkriminalität in Nordrhein-Westfalen zu nennen. Seit 2005 widmet sie sich unter anderem der Eindämmung illegaler Greifvogelverfolgung. Die im Umweltministerium angesiedelte Einrichtung arbeitet intensiv mit den Polizeibehörden zusammen, um eine konsequente Strafverfolgung zu ermöglichen.

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Der 50 bis 60 Zentimeter große Habicht ist ein kräftiger Greifvogel mit kurzen gerundeten Flügeln und einem relativ langen Schwanz.

NABU und LBV sprechen sich dafür aus, neben der Benutzung auch den bislang erlaubten Verkauf von Habichtfangkörben zu verbieten. In der Umgebung von Greifvogelnestern müssten Horstschutzzonen eingerichtet werden, in denen Forstwirtschaft und Jagd vor allem während der Brutzeit zwischen März und Juni ruhen sollten, so wie dies in einigen Bundesländern bereits gesetzlich vorgesehen ist. Das Aushorsten von jungen Habichten in freier Natur für die Falknerei sollte nicht mehr zugelassen werden.

NABU und LBV haben als Signal gegen die illegale Greifvogelverfolgung gemeinsam mit dem Komitee gegen den Vogelmord eine bundesweite Meldeaktion gestartet. Aktuell aufgestellte Fallen, vergiftete oder angeschossene Greifvögel können ab sofort unter der Telefonhotline 030-284984-1555 gemeldet werden. Unter dieser Nummer bieten Experten Hilfe beim Erkennen, Dokumentieren und Anzeigen illegaler Aktivitäten. Darüber hinaus werden auch zurückliegende Fälle illegaler Greifvogelverfolgung erfasst, zu melden unter www.NABU.de/verfolgung-melden.

Der Grünspecht ist Vogel des Jahres 2014

Ein echter Europäer hat gut lachen 

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den farbenprächtigen Grünspecht (Picus viridis) zum „Vogel des Jahres 2014“ gekürt. Wegen seines markanten Rufs, der wie ein gellendes Lachen klingt, erhielt er auch den Beinamen „Lachvogel“. Im Gegensatz zur vom Aussterben bedrohten Bekassine, die „Vogel des Jahres 2013“ ist, hat sich der Bestand des Grünspechts in Deutschland erholt: Er liegt derzeit bei über 42.000 Brutpaaren und ist damit mehr als doppelt so hoch wie vor 20 Jahren. Diese Entwicklung ist unter Deutschlands häufigen Vogelarten einmalig und hauptsächlich auf eine Reihe von milden Wintern zurückzuführen. Aber auch die zunehmende Eroberung städtischer Grünflächen als Lebensraum kam der Entwicklung des Grünspechts zu Gute. Die letzten drei kalten Winter haben jedoch gezeigt, dass es auch für ihn schnell wieder abwärts gehen kann.

Mit seinem auffälligen Lachen und dem farbenfrohen Gefieder ist der Grünspecht für den aufmerksamen Naturbeobachter gut zu erkennen. Er findet überall dort ein Zuhause, wo es alte Bäume zum Bau von Nisthöhlen und Grünland mit ausreichend Ameisen gibt. Denn Ameisen sind seine Lieblingsspeise: Mit seinem spitzen Schnabel und der bis zu zehn Zentimeter langen klebrigen Zunge kann er sie aus dem Boden oder aus Bäumen herausholen. Sein meist mehrsilbiger Ruf ist zu jeder Jahreszeit zu hören, und zur Balzzeit baut er diesen zu einer langen heiteren Gesangsstrophe aus.

Besonders gute Bedingungen findet der Grünspecht auf Streuobstwiesen. Die Fläche dieses sehr wertvollen Lebensraums ist jedoch in ganz Deutschland dramatisch zurückgegangen, weshalb sich der NABU schon lange für den Schutz von Streuobstwiesen einsetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen „Streuobstwiesen-Arten“ hat der Grünspecht aber auch den Siedlungsraum für sich entdeckt. Hier bieten ihm alte Parks, Industriebrachen, Ortsränder und Gegenden mit altem Baumbestand ideale Lebensräume.

Nach dem Buntspecht ist der deutlich größere Grünspecht die zweithäufigste Spechtart Deutschlands. Er ist ein echter Europäer: Denn mehr als 90 Prozent seines weltweiten Verbreitungsgebietes befinden sich in Europa. Der europäische Bestand wurde im Jahr 2004 auf rund 860.000 Brutpaare geschätzt. „Da wir in Rheinland-Pfalz keine aktuellen Bestandszahlen haben, wollen wir im nächsten Jahr eine flächendeckende Grünspecht-Kartierung durchführen“, sagt Cosima Lindemann, Naturschutzreferentin beim NABU Rheinland-Pfalz. Interessierte Vogelbeobachter, die als ehrenamtliche Kartierer mithelfen möchten, sind daher schon jetzt aufgerufen sich über Cosima.Lindemann@NABU-RLP.de beim NABU Rheinland-Pfalz zu melden.

 

Die Bekassine ist Vogel des Jahres 2013

NABU und LBV: Vom Aussterben bedrohte Bekassine ist „Vogel des Jahres 2013“

Botschafterin für die Lebensräume Moor und Feuchtwiesen

Berlin – Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz

(LBV), NABU-Partner in Bayern, haben die in Deutschland vom Aussterben bedrohte

Bekassine (Gallinago gallinago) zum „Vogel des Jahres 2013“ gekürt. In Deutschland leben

heute nur noch 5.500 bis 6.700 Brutpaare – etwa die Hälfte des Bestandes von vor 20 Jahren.

Die Bekassine soll als Botschafterin für den Erhalt von Mooren und Feuchtwiesen werben.

Der taubengroße Schnepfenvogel mit dem beige-braunen Federkleid und dem markanten

Schnabel wird wegen seines lautstarken Balzflugs gern „Meckervogel“ genannt.

„Die Bekassine hätte tatsächlich guten Grund, sich zu beschweren, denn mit Mooren und

Feuchtwiesen schwindet ihr Lebensraum zusehends. Es wird allerhöchste Zeit, die letzten

Moore in Deutschland streng zu schützen – auch im Interesse des Klimaschutzes. Gleiches

gilt für Feuchtwiesen. Wir dürfen nicht länger zulassen, dass der Grundwasserspiegel

abgesenkt und Flächen entwässert, Grünland umgepflügt, Ackerkulturen wie Mais für

Biogasanlagen großflächig angebaut, Torf abgebaut und Wiesen aufgeforstet werden“, sagte

NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

„Dass die Bekassine in Deutschland vom Aussterben bedroht ist, liegt vor allem an der

systematischen Zerstörung ihrer Lebensräume. Der Biotopschwund betrifft viele weitere

Arten, darunter nahe Verwandte wie den Großen Brachvogel oder die Uferschnepfe. Von der

Politik erwarten wir daher einen konsequenten Schutz für alle Arten der Feuchtwiesen und

Moore. Wiesen und Weiden zu erhalten und wiederzuvernässen ist zudem ein sehr effizienter

Beitrag zum Klimaschutz“, so LBV-Vorsitzender Ludwig Sothmann.

Heute sind 95 Prozent der heimischen Moore zerstört und 90 Prozent des Grünlandes in

Deutschland intensiv bewirtschaftet. Auch die Jagd macht dem Schnepfenvogel zu schaffen.

Allein in der Europäischen Union werden jährlich über ein halbe Million Bekassinen

geschossen. „Mit der Jagd auf Bekassinen muss endlich Schluss sein. Die Art gehört in der

gesamten Europäischen Union dringend ganzjährig unter Schutz gestellt“, fordern Opitz und

Sothmann.

Hierzulande ist die Bekassine am häufigsten noch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein,

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg anzutreffen. Ursprünglich war sie in ganz

Mitteleuropa vom Tiefland bis in mittlere Höhen in größerer Zahl vertreten. Seit einigen

Jahrzehnten gehen die Bestände fast überall dramatisch zurück. Für Europa schwanken

aktuelle Schätzungen zwischen 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaaren. Zwei Drittel des

mitteleuropäischen Bestandes von etwa 24.000 bis 45.000 Paaren leben in Polen. Die meisten

in Deutschland heimischen Brutvögel sind Kurzstreckenzieher. Sie verbringen den Winter in

Südfrankreich, Spanien und Portugal.

Ein zentrales Merkmal der Bekassine ist der spektakuläre Balzflug der Männchen mit einem

lautstarken „Wummern“, das wie Meckern klingt. Der Laut entsteht während des Sturzflugs

durch den Wind, wenn der Vogel seine beiden äußeren Schwanzfedern abspreizt. Die

Männchen steigen auf meist 50 Meter Höhe in scharfem Zickzack steil auf, um dann jäh zur

Seite abzukippen. Dieser Kunstflug ist besonders gut von März bis Mai zu beobachten. Der

mit sieben Zentimetern überproportional lange und gerade Schnabel ist ihr auffälligstes

Kennzeichen. Bekassinen stochern mit ihm tief im weichen Boden, um Kleintiere zu orten

und zu ertasten. Neben Würmern, Schnecken und Insekten stehen auch Sämereien und Beeren

auf dem Speiseplan.

NABU und LBV verfolgen seit Jahren die Strategie des Flächenkaufs für den Naturschutz und

übernehmen die fachkundige Betreuung von Schutzgebieten. Dadurch konnten bereits viele

Gebiete als Lebensräume für den Vogel des Jahres 2013 gerettet werden. Darüber hinaus kann

jeder Einzelne zum Schutz der Bekassine beitragen, indem er torffreie Blumenerde

verwendet, so die Verbände.

Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012

Hundsangen Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, haben die Dohle (Coloeus monedula) zum „Vogel des Jahres 2012“ gekürt. „Damit beleuchten wir eine der intelligentesten heimischen Vogelarten, die trotz ihrer Anpassungsfähigkeit immer weniger Nistmöglichkeiten findet“, erklärt Marcel Weidenfeller vom Naturschutzbund NABU Hundsangen. „Mit der Ernennung zum Vogel des Jahres wollen wir uns verstärkt für die geselligen Dohlen einsetzen, denn ihre Lebensräume werden immer mehr eingeengt“, erläutert Weidenfeller. So gelte es, die vielseitigen Stimmtalente besser zu schützen, denn Dohlen stehen bereits in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder auf der Vorwarnliste.

Als Kulturfolger hatten sich die ursprünglichen Steppenbewohner in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet: Hohe Gebäude boten ihnen vorzüglichen Unterschlupf und Weiden, Felder und Wiesen mit Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken. Für die Landwirtschaft waren sie nützliche Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung und so lebten Mensch und Dohle jahrhundertelang einträchtig miteinander. „Doch nun versiegeln wir immer mehr Grünflächen rund um unsere Ortschaften für den großflächigen Anbau von Energiepflanzen – vor allem Mais und Raps – und setzen großflächig Pestizide ein. Damit verschwinden auch viele Insekten als Nahrungsgrundlage“, erklärt Weidenfeller. „Deshalb sinkt die Zahl der Dohlen in vielen Regionen.“ Der Dohlenbestand in Deutschland wird auf rund 100.000 Brutpaare geschätzt. Größere Dichten erreicht die Art nur noch regional, etwa am Niederrhein.

Zum Rückgang der Dohlen tragen aktuell auch viele Gebäudesanierungen bei, die zwar wichtigen Energiesparzielen dienen, aber den Dohlen Brutplätze in Nischen, Mauerlöchern und Dachstühlen versperren. Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme nannte man sie früher „des Pastors schwarze Taube“, doch die Türme vieler Gotteshäuser wurden inzwischen zur Taubenabwehr vergittert. Mit dem Projekt „Lebensraum Kirchturm“ weisen NABU und LBV auf die Gefährdung von tierischen Kirchturmbewohnern hin und setzen sich für deren Schutz ein. Seit 2007, als der Turmfalke Vogel des Jahres war, haben NABU und LBV bereits 500 Kirchengemeinden mit einer Plakette für ihr vorbildliches Engagement ausgezeichnet.

Im Jahr der Dohle soll die „Wohnungsnot“ der schwarz gefiederten Vögel mit den silber-blauen Augen gelindert werden. NABU und LBV rufen dazu auf, alte Lebensräume zu erhalten und neue zu schaffen. „Denn auch die Dohlen-Kolonien in alten Baumbeständen nehmen ab, wo die Vögel gerne die von Schwarzspechten gezimmerten Höhlen beziehen“, erläutert Weidenfeller. So gelte es, naturnahe Altholzbestände und „Höhlenbäume“ zu schützen. Auch alte Parkbäume in Städten und Siedlungsräumen können diese Funktion erfüllen und dürfen nicht einer übervorsichtigen Verkehrssicherung oder Baumsanierungen zum Opfer fallen. Bei den noch verbliebenen Felsbrütern unter den Dohlen müssen Störungen durch Kletterer vermieden werden, etwa indem solche Felsen während der Brutzeit gesperrt werden. Damit in Betrieb befindliche Kamine nicht durch Nistmaterial verstopfen, könne man vorbeugend Schutzgitter oder Abdeckungen anbringen und den Vögeln andernorts alternative Brutplätze anbieten. Dazu eignen sich spezielle Dohlen-Nistkästen, die gerne angenommen werden und über den NABU bezogen werden können.

Zugleich hoffen der NABU und der LBV auf einen Imagegewinn für den Vogel des Jahres 2012 – denn tatsächlich sind diese kleinsten Vertreter der Rabenvögel weder Unglücksboten noch Pechvögel, wie mancher Volksmund sie schmähte. Vielmehr beeindrucken Dohlen durch ihr hoch entwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben. Schon der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz war fasziniert von den lernfähigen und intelligenten Dohlen mit ihrem so geselligen wie geordneten Kolonieleben. Dohlenpaare sind sich ihr Leben lang treu und auch in der fürsorglichen Beziehung zu ihrem Nachwuchs sind sie keine Raben- sondern wahre Vorzeigeeltern.

Der Gartenrotschwanz ist Vogel des Jahres 2011

Kleiner Vogel mit großen Ansprüchen

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, haben heute in Berlin den Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) zum „Vogel des Jahres 2011“ gekürt. Der früher weit verbreitete und recht häufige Singvogel mit dem namensgebenden ziegelroten Schwanz ist heute in vielen Regionen selten geworden. Besonders im Westen Deutschlands ist er aus zahlreichen Dörfern und Kleinstädten verschwunden. Immer weniger Gärten genügen heute noch seinen Ansprüchen.

 

„Im Jahr des Gartenrotschwanzes wollen wir auf die Gefährdung dieses farbenprächtigen Vogels aufmerksam machen und zeigen, dass oftmals schon mit einfachen Mitteln neue Lebensräume wie Streuobstwiesen geschaffen werden können", sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Gartenrotschwänze brauchen Nisthöhlen, wie sie vor allem in alten Obstbäumen zu finden sind. Streuobstwiesen zählen daher zu den typischen Lebensräumen. Mit ihren hochstämmigen Obstbäumen, die ein hohes Alter erreichen können, bieten sie sowohl geeignete Brutplätze als auch die notwendigen Sitzwarten, von denen die Vögel nach Insekten jagen.

 

Informationen zum Gartenrotschwanz

Vogel des Jahres 2010 - Der Kormoran

Der Meistertaucher wird oft zu Unrecht verfolgt

Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern haben den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Die beiden Verbände wollen sich damit offensiv für den Schutz des Kormorans einsetzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten wieder zu Tausenden geschossen und vertrieben wird. So werden jedes Jahr in Deutschland rund 15.000 Kormorane getötet.

 

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